Sopiko Aspanidze

Eine deutsche Traumreise

Sopiko Aspanidze hat ihren Weg gemacht von der georgischen Hauptstadt Tiflfl is nach Hamburg. Ihr Antrieb: Sie will arbeiten und dafür angemessen bezahlt werden. Mit großer Energie und der Unterstützung ihrer Freund*innen, Kolleg*innen und Ausbilder*innen nutzt sie die Chancen, die sich ihr in Hamburg bieten. Gerade macht sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin an der fachschule für soziale arbeit in Alsterdorf.

Ihr Herkunftsland hat nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 – Sopiko Aspanidze ist Jahrgang 1992 – einige Erschütterungen erlebt: einen wirtschaftlichen Totalzusammenbruch, 2003 eine Revolution, 2008 einen Fünf-Tage-Krieg mit Russland. Um die Gleichberechtigung der Geschlechter stand es in der Kaukasusrepublik lange Zeit schlecht. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und in weiten Teilen des Landes herrscht Armut. Der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik, die Deutsche Welle, bezifferte 2018 das Bruttoinlandsprodukt Georgiens pro Kopf und Monat auf gerade einmal umgerechnet 280 Euro. In Deutschland erreichte es zur selben Zeit etwa 3.300 Euro.

Am 10. Januar 2018 landet Sopiko Aspanid­ze auf dem Hamburger Flughafen. Geboren ist sie in dem kleinen Bergort Aspindza im Süden Georgiens, aufgewachsen in der Hauptstadt Tiflis. Nach dem Abitur hat sie dort an der Medizinischen Universität im Fachbereich Public Health studiert, öffentli­ches Gesundheitswesen und Gesundheitsmanagement. Ihr sehnlichster Wunsch: ein guter Arbeitsplatz im Gesundheitsbereich. „Ich habe in Tiflis dann auch gearbeitet, aber es gab keine großen Möglichkeiten.“ Trotz des abgeschlossenen Studiums und obwohl sie immer in Vollzeit tätig war, ver­diente sie so wenig, dass ihre Eltern sie un­terstützen mussten. „Nach einiger Zeit war ich sehr enttäuscht, weil mir klar geworden ist, dass mein Traum nie wahr werden wür­de, – zumindest nicht in Georgien.”

Bei Sopiko Aspanidze reifte der Entschluss, aufzubrechen und das Land, das sie liebt und in dem sie Kindheit, Jugend und das junge Erwachsenenalter erlebt hatte, zu verlassen. Über Deutschland hatte sie im Fernsehen und Internet viel gehört. Aber vor allem war es ihr Vater, der sie dafür begeisterte: „Für ihn ist es ein Land der Wirtschaft, Stabilität und Stärke.“

Da sie in der Schule nicht die Möglichkeit gehabt hatte, Deutsch zu lernen, fing sie im August 2017 an, privaten Unterricht zu nehmen. Nach nur vier Monaten bestand sie die Prüfung am Goethe-Institut und erhielt ein Sprachzertifikat. „Das war der erste Schritt meiner deutschen Traumreise.“ Der Grenzübertritt im Januar 2018 war nicht schwierig. Seit März 2017 gilt für georgische Staatsbürger Visumfreiheit.

In Hamburg hat die damals 26-Jährige schnell Freunde gefunden. „Jeder ist sehr nett, und ich denke, dass ich großes Glück habe, diese Menschen in meinem Leben zu haben.“ Glück ist es wohl einfach nicht nur: Ihre positive Lebenseinstellung, ihre Herzlichkeit und die große Dankbarkeit gegenüber Menschen, die sie unterstützen, und für die Chancen, die sich ihr in Ham­burg bieten, wecken Sympathie.

Sopiko Aspanidze
Sopiko Aspanidze – Fotos: Axel Nordmeier

„Hamburg ist eine Stadt der Möglichkeiten“

Beruflich musste Sopiko Aspanidze von vorne anfangen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, in dem Universitätsabschlüsse aus Nicht-EU-Staaten anerkannt werden, galt bei ihrer Einreise noch nicht. Die junge Georgierin absolvierte einen Bundesfreiwilligendienst in einer inklusiven Wohneinrichtung der Leben mit Behinderung Hamburg gGmbH, größter überkonfessioneller Anbieter der Behindertenhilfe in Hamburg. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung machte ihr so viel Spaß, dass sie dort weiter arbeiten wollte, nicht als Freiwillige oder Hilfskraft, sondern als ausgebildete Fachkraft. Der Leiter der Einrichtung, Frank Köhler, half ihr, sich an der fachschule für soziale arbeit in Alsterdorf zu bewerben. Seit August 2020 macht Sopiko Aspanidze die dreijährige berufsbegleitende Ausbildung zur Heil­erziehungspflegerin. Für den praktischen Teil ihrer Ausbildung konnte sie zurückkeh­ren an ihren Arbeitsplatz in der Inklusiven Hausgemeinschaft Shanghaiallee in der HafenCity: „Es ist nicht nur die Arbeit für mich, sondern ein Ort, der mich glücklich macht, es ist wie eine Familie.“

Frank Köhler hat sich eingesetzt für Sopiko Aspanidze und „nie aufgehört zu glauben, dass“ sie „wieder ein Mitglied des Teams sein“ werde. „Um alle bürokratischen Sachen“ habe er sich gekümmert, auch um die Aufenthaltserlaubnis, die sie bekam, weil sie als Pflegekraft arbeitet. Bei der Finanzierung des Schulgeldes für die fachschule für soziale arbeit erhält die heute 29-Jährige keinerlei Unterstützung: „Ich bin froh, alles von meinem Gehalt bezahlen zu können und niemanden zu stören. Hamburg ist eine Stadt der Möglichkeiten, und es ist wichtig, diese Chancen weise zu nutzen.“

Manchmal plagt sie Heimweh: „Es ist unmöglich, das Land, in dem man geboren ist, und geliebte Menschen, besonders meine Eltern, nicht zu vermissen.“ Doch Sopiko Aspanidze ist belastbar und sie packt die Dinge an. Das merkt man an der Geschwindigkeit, mit der sie ihre E-Mails beantwortet. Die starke Frau mit den dunklen langen Haaren hat sich ihre Möglichkeiten in Hamburg erkämpft: „Ich werde nicht aufhören, mich weiterzuentwickeln und die beste Version von mir zu erschaffen.“

Auf die Frage, ob es Schwierigkeiten gegeben habe auf ihrem Weg nach Deutschland, antwortet die Georgierin: „Ich glaube nicht, dass ich irgendwelche Schwierigkeiten hatte. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass man sich immer an die Regeln hält. Alles andere kommt mit der Zeit.“ Sicher ist es diese Einstellung, die es einem leichter macht, in ein fremdes Land aufzubrechen


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